Gemeinde Mittelhof (Quelle: www.lust-auf-wissen.de)

 

Anfänge der Besiedlung 

Auf der linken Siegseite erstreckt sich zwischen Scheuerfeld und Schönstein auf einem langen Bergrücken die Gemeinde Mittelhof, die flächenmäßig eine große Ausdehnung aufweist. Aus welcher Zeit die ersten Spuren von Menschen in unserer Gemeinde stammen, lässt sich mit Sicherheit nicht mehr feststellen. Der Weiler „Durwittgen“ ist eine Ansiedlung der Kelten und bedeutet so viel wie „Wasserwäldchen“. Nach und nach drangen germanische Stämme in unseren Raum ein und vertrieben die Kelten über den Rhein. Vorübergehend waren die Chatten im hiesigen Raum sesshaft. Katzenthal ist eine Niederlassung dieses Volksstammes. Die germanischen Stämme der Osen und Quaden hatten sich teilweise in unserer Heimat niedergelassen. Sie kamen während der Völkerwanderung aus Böhmen. Die Quaden waren ein großer Volksstamm, der sich den schwachen Stamm der Osen untertan machte. Noch heute erinnern die Weiler „Quadenhof“ und „Osenbach“ an die Zeit, als Osen und Quaden vorübergehend sesshaft waren.

Im 5. und 6. Jahrhundert n. Chr. war die Völkerwanderung der germanischen Stämme beendet, und die Gründung zahlreicher Ortschaften setzte ein. Die Germanen mussten dichten Urwald roden, um sich anzusiedeln. Einige Gehöfte erhielten von diesen Rodungen ihren Namen, z. B. Roddern und Röttgen. Noch heute zeugen die einzelnen Gehöfte in den tiefeingeschnittenen Tälern von dem Leben unserer Vorfahren. Erstmals erwähnt wird im Jahre 1048 der „Stuhl“ als westlicher Grenzpunkt des Pfarrsprengels Haiger. Etwa parallel erfolgte ein systematischer Landesausbau, der zu der bis heute typischen Einzelhof-Besiedlung führte. Ältester bezeugter Hof ist Röttgen (1407). Hofbesitzer waren zunächst kurkölnische Lehnsleute, seit dem ausgehenden 16. Jahrhundert vor allem die Familie Hatzfeldt. Die Enklave des „Kölschländchen“ gelangte 1803 an Nassau – Usingen, 1805 an Preußen. Über die Besiedlungsstruktur in den folgenden Jahrhunderten liegen keine genauen Unterlagen vor. Erst in einer statistischen Übersicht des Amtes Schönstein aus dem Jahre 1811 erfahren wir konkrete Zahlen über die Besiedlung der ehemaligen Gemeinde Blickhauserhöhe.

Damals gehörten folgende Gehöfte (25 Wohnungen mit insgesamt 284 Einwohnern) zur Gemeinde Blickhauserhöhe: Auen 10, Blickhausen 14, Eichen 11, Höndgesberg 23, Katzendahl 16, Karweg 6, Kohlschlade 7, Mitteldorwittgen 19, Mittelhof 12, Niederdorwittgen 11, Niederkrombach 14, Oberdorwittgen 22, Oberkrombach 23, Osenbach 9, Quadenhof 15, Roddern 11, Röttgen 25, Steckenstein 17 und Vosswinkel 19.

 

Aufstieg und Niedergang des Bergbaus

Anfang des 19. Jahrhunderts zählte die Gemeinde 2 Bergbaubetriebe, den Steckensteiner Wald, später Grube „Friedrich“ genannt, und die Grube „Rasselskaute“. Im Steckensteiner Wald wurde Eisenstein, in der Grube „Rasselskaute“ Kupfererz gegraben. Wenn auch der heimische Bergbau im Allgemeinen von außergewöhnlichen Katastrophen verschont blieb, so trat dennoch am 7. Februar 1865 auf der Grube „Rasselskaute“ ein besonderes Ereignis ein. An diesem Tag wurden die Bergleute Peter und Johann Güdelhöfer, Niederkrombach, Sebastian Stangier, Katzenthal und Heinrich Knoll aus Schönstein durch einen vom Tage ausgehenden Beibruch verschüttet. Nach 63-stündiger Arbeit konnten die verschütteten Bergleute aus der hoffnungslosen Lage gerettet werden.

Als Dank für seine glückliche Rettung erbaute der Bergmann Gerhard Güdelhöfer einen Bildstock zu Ehren der Mutter Gottes, der sich heute noch unterhalb des Anwesens Johannes Schlechtriemen auf einer kleinen Anhöhe befindet. Die Bevölkerung in unserer Gemeinde stieg rasch an, als der Bergbau sich in der Mitte des 19. Jahrhunderts immer mehr ausbreitete.

Etwa in den vierziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts wurde die Grube „Eisengarten“ durch Gerhard Vierschilling von Appigseifen ins Leben gerufen. Da sie reich an Erzvorkommen war, konnten 120 bis 150 Arbeiter beschäftigt werden. Viele Bewohner der umliegenden Dörfer siedelten sich in unserer Gemeinde an. Im Jahre 1892 wurde die Grube „Eisengarten“ aufgrund des baufälligen Grubenschachtes und der geringen Ausbeute der Eisenerze stillgelegt, so dass eine Arbeitslosigkeit eintrat. Die Grube „Rasselskaute" beschäftigte in der Mitte des 19. Jahrhunderts 200 Arbeiter und wurde im Jahre 1888 stillgelegt. Noch heute erinnern das ehemalige Maschinenhaus sowie die Bergmannssiedlung an die Grube „Friedrich“, die ursprünglich den Brüdern Remy in Betzdorf gehörte und zu Beginn des 20. Jahrhunderts in den Besitz der Dortmunder Union überging.

Anfangs wurden Nickel-, Blei- und Kupfererze gefördert, später Eisenerze. Als im Jahre 1861 die Siegbahn eröffnet wurde, legte die Grube „Friedrich“ den sogenannten Bremsberg mit Wagengleise an, ferner eine Siegbrücke und eine Schleppbahn bis Niederhövels. Bedingt durch die Erzgruben entstanden um die Jahrhundertwende einige Wohnsiedlungen, und die Bevölkerung stieg im Jahre 1890 auf 686 an. Da die in der Nähe der Grube „Friedrich“ gelegenen Ortschaften nicht genügend Wohnplätze für die Arbeiter besaßen, errichteten die Bergwerkbesitzer im ehemaligen Ortsteil Grube „Friedrich“ 2 Bergmannssiedlungen mit je 12 Wohnungen, von denen die ältere im Jahre 1964 abgerissen wurde. Die Bergleute bezahlten für eine derartige Wohnung, die aus einer Wohnstube, 2 Kammern, Küche, Keller, Stall für Schweine und Ziege oder Kuh bestand, und zu der ein Stück Gartenland für den Anbau von Gemüse oder Kartoffeln gehörte, monatlich 7 Mark. Weiterhin wurde für Unterkunft und Beköstigung der Arbeiter gesorgt, die aus den Dörfern des Westerwaldes kamen. Sie wurden in einer Menage untergebracht. Dort erhielten die Arbeiter für 2,50 M bis 3 M monatlich eine Schlafstelle mit Bett und Schrank und zahlten für Verpflegung täglich 1 M oder für das Mittagsbrot einschließlich Kaffee morgens und abends 60 bis 70 Pf. Der auf Kost und Logis entfallene Betrag wurde seitens der Grubenverwaltung von dem monatlichen Verdienst zurückbehalten. Die Löhne der Arbeiter betrugen bei achtstündiger Arbeitszeit unter Tage 2,38 M. Die über Tage beschäftigten Arbeiter verdienten bis zu 2 M bei zwölfstündiger Arbeitszeit.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts galt die Grube „Friedrich“ als eine der technisch am besten ausgerüsteten Gewinnungsbetriebe im Siegerländer Revier. Aus den Betriebsberichten des damaligen Betriebsführers Hugo Kadenbach im Jahre 1907 ist Folgendes zu entnehmen: „In der Höhe des Bahnhofs Niederhövels wird eine elektrische Centrale, bestehend aus zwei je 500 PS leistenden Dampfdynamos neben zugehöriger Kesselanlage errichtet. Von hier wird die elektrische Energie durch den Erbstollen bis zum Maschinenschacht, dann diesen teils hinauf und hinunter zu den 400 m unter der Erbstollensohle aufzustellenden beiden elektrischen Pumpen geführt. Auch ist bereits der neue Bahnanschluss in Höhe der Centrale angelegt und wird derselbe durch eine elektrisch angetriebene Seilbahn mit der in der Höhe des Schachtes noch anzulegenden Röstanlage verbunden“. In den folgenden Jahren drang der Bergmann, beschleunigt durch die technische Entwicklung, immer tiefer in das Erdinnere, um das wertvolle Eisenerz ans Tageslicht zu fördern. Jedoch in den Kriegsjahren des 1. Weltkrieges sank die Förderung trotz großer Anstrengungen, die Rüstung zu forcieren, auf den Gruben. Die schlechte Ernährungslage, der Einsatz von Kriegsgefangenen, Kapitalmangel und eine langsam um sich greifende Kriegsmüdigkeit waren der Ursprung und der Grund des Rückgangs der Leistung. Die Belegschaft der Grube „Friedrich“ schwankte in den Kriegsjahren zwischen 250 und 307 einschließlich der Kriegsgefangenen. Nach dem 1. Weltkrieg trat dann eine Wirtschaftskrise ein. Infolge der sozialen Umschichtung der Bevölkerung, die damals schon zu 60 % aus Arbeitern bestand, wurde unsere Gemeinde in den zwanziger und dreißiger Jahren hart getroffen. Durch die Stilllegung der Grube „Friedrich“ im Jahre 1931 wurden 150 Arbeiter arbeitslos. In wirtschaftlicher Hinsicht konnte die Gemeinde wieder aufatmen, als im Jahre 1937 die Grube „Friedrich“ wieder in Betrieb genommen werden konnte. In demselben Jahr wurde die Grube „Rasselskaute“, die im Jahre 1888 infolge übergroßer Wasserhaltung stillgelegt worden war, wieder zu neuem Leben erweckt. Einst hatte diese Grube 200 Arbeiter beschäftigt. Anstatt den alten Schacht freizulegen, begann man, einen neuen zu teufen. Er sollte nur zur Personenbeförderung dienen, während das unterirdische Gestein unter Tage zur Grube „Friedrich“ transportiert und von dort aus ans Tageslicht befördert wurde. Drei Jahre später war die neue Seilbahn fertiggestellt, welche die Erze zur Hütte nach Wissen transportierte. 

Die rasche Aufwärtsentwicklung erhielt nochmals einen Rückschlag durch die Stillegung der Grube „Friedrich“ im Jahre 1954 sowie der Grube „Rasselskaute“ im Februar 1964. Die Gründe für die Schließung der Gruben lagen darin, dass in zunehmendem Maße in überseeischen Eisenerzgebieten Förderungsstätten erschlossen wurden, die infolge Tagebaus oder bedeutend geringerer Schachttiefen billiger fördern konnten als die Siegerländer Erzgruben, die unter schwierigen Verhältnissen zum Teil in Tiefen von über 1.000 m arbeiten mussten. An den Bergbau erinnert vor allem heute noch die Mittelhofer Kirche mit ihrem Barbarafenster. Durch das Aussterben des Siegerländer Bergbaus gab es soziale und menschliche Probleme. Den meisten Bergleuten fiel die Umstellung von der relativ „freien“ Tätigkeit unter Tage auf den genormten Arbeitsablauf an der Maschine oder am Fließband in der Fabrik außerordentlich schwer.

 

Die Kirche auf dem „Sturm“

Infolge der großen Ausdehnung unserer Gemeinde und der schlechten Wegeverhältnisse war für viele Bewohner der Kirchenbesuch in Wissen sehr beschwerlich und im Winter oft unmöglich. Am 2. Oktober 1892 wurde auf einer Versammlung in Mittelhof ein Bauverein ins Leben gerufen, der sich die Aufgabe gestellt hatte, eine Kirche auf dem „Sturm“ zu errichten. Der Fürst von Hatzfeldt stellte einen Steinbruch zur Verfügung, und das Hüttenwerk in Wissen lieferte den Sand. Dank der Unterstützung der Gläubigen konnte die feierliche Einsegnung des Grundsteins der Kirche am 6. September 1896 durch Pfarrer Bamberg aus Wissen vorgenommen werden. Im Jahre 1897 war die Kirche fertiggestellt und wurde am 15. Juli desselben Jahres durch den Dechanten Lückerath von Oberlahr eingeweiht. Erst 22 Jahre nach der Einweihung ging der Wunsch der Kirchengemeinde in Erfüllung, einen eigenen Geistlichen zu haben. Mit der Errichtung eines eigenen Friedhofs im Jahre 1921 fanden die Toten in der Nähe der Kirche ihre Ruhestätte. Um die Jugend in dieser weitverzweigten Pfarrei zusammenzuhalten, wurde im Jahre 1929 der Grundstein zu einem Jugendheim gelegt, das im Jahre 1931 unter Teilnahme von 2.000 Jugendlichen eingeweiht wurde. Es ist somit das älteste Jugendheim im Kreise Altenkirchen und dient bis zum heutigen Tag der Jugend und den pfarrlichen Gemeinschaften als Versammlungsstätte. Erst im Jahre 1933 wurde Mittelhof eine selbständige Pfarrei.

 

Von der Wanderschule zum Wanderschüler

Die Schulverhältnisse ließen in unserer Gemeinde zu Beginn des 19. Jahrhunderts viel zu wünschen übrig. Aufgrund der geringen Schülerzahl und der weitverzweigten Gehöfte gab es noch keinen Schulstandort. Nur in den Wintermonaten erteilte ein des Lesens und Schreibens Erfahrener abwechselnd in den „guten Stuben“ der Höfe den Unterricht. Später unterrichteten die sogenannten „Lehrer" an bestimmten Orten. So wird mündlich überliefert, dass von 1841 bis 1849 im Schneider’schen Haus in Röttgen, von 1849 bis 1854 in der ehemaligen alten Gastwirtschaft Rödder in Steckenstein Unterricht abgehalten wurde, zur gleichen Zeit auch in Kohlschlade. Die ersten namentlich bekannten Lehrer waren die Landwirte Groß und Stein, gebürtig aus Selbach. Im Jahre 1853 wurde ein altes Bauernhaus, das Brück’sche Haus in Mittelhof, zu einem Schullokal umgebaut. Aufgrund der anwachsenden Schülerzahl, die im Schuljahr 1892/93 auf 138 gestiegen war, wurde am 1. November 1893 Lehrer Martin Schmidt aus Güllesheim als 2. Lehrer eingeführt. Die Lehrer Conzen und Schmidt unterrichteten im Schichtunterricht, bis im Jahre 1894 Lehrer Martin Schmidt mit den Klassen 1 - 4 einen Raum in der Böhmer’schen Gastwirtschaft, der heutigen „Insel“, bezog. Schon 2 Jahre später musste wieder ein Wechsel vorgenommen werden, und die Klassen 1 – 4 fanden bis 1903 im Hause Strüder (Franksmann) Unterkunft. In demselben Jahr bezog Lehrer Martin Schmidt die neu errichtete Schule in Blickhausen, 5 Jahre später Lehrer Nikolaus Conzen die neue Schule in Steckenstein.

Tiefgreifende Schulreformen führten im Jahre 1966 zur Auflösung der kath. Volksschule in Blickhausen und 1972 der 2-klassigen Grundschule in Steckenstein. Von 1972 - 1977 besuchten die Grundschüler der Ge­meinde Mittelhof die Grundschule in Schönstein, von da ab die Grundschule in Wissen, die Klassen 5 - 9 dagegen die Hauptschule in Wissen. Aus der Wanderschule zu Beginn des 19. Jahrhunderts sind nun heute Wanderschüler geworden.

 

Der 2. Weltkrieg und die Nachkriegszeit

Im Mai 1939 sollte ein langersehnter Wunsch der Bevölkerung in Erfüllung gehen. Die verantwortlichen Stellen hatten Bereitschaft signalisiert, für die Ortsteile Mittelhof und Steckenstein eine Wasserleitung zu bauen. Der Gemeinderat hatte 53.000 RM für die Baumaßnahme zur Verfügung gestellt. Aufgrund des Kriegsausbruches wurden die Ausführungen des Planes bis auf unbestimmte Zeit verschoben. Erst im Jahre 1959 konnte nach zweijähriger Bauzeit unter großem Kostenaufwand die Wasserleitung in Betrieb genommen werden.

Am 1. September 1939 begann der 2. Weltkrieg. Viele Männer aus unserer Gemeinde wurden in den Kriegsjahren eingezogen, von denen 35 an der Front gefallen sind. Auf den Schultern ihrer Frauen ruhte die Tageslast. In den hiesigen Gruben- und Landwirtschaftsbetrieben arbeiteten während der Kriegsjahre viele Gefangene, die in Baracken unmittelbar neben der Grube „Friedrich“ bzw. im Saale der Gastwirtschaft Rödder untergebracht wurden. Die lange Dauer des Krieges und die vielen einschneidenden Maßnahmen machten sich auch in unserer Gemeinde im Jahre 1944 bemerkbar. Durch die Einberufung aller Wehrfähigen zum Heeresdienst entstand ein großer Mangel an Arbeitskräften, der teilweise durch Gefangene ausgeglichen werden konnte. Die Zunahme des Bombenkrieges, dem immer mehr deutsche Städte und Menschen zum Opfer fielen, veranlasste viele Stadtbewohner, ihren wertvollen Hausrat auf dem Lande in Sicherheit zu bringen. So setzte im Jahre 1944 ein Flüchtlingsstrom ein. Privat­häuser sowie die beiden Schulsäle in Steckenstein und Blickhausen wurden mit Flüchtlingen belegt. So gab es in diesem Jahr wohl kein Haus in unserer Gemeinde, das nicht mit Hausrat von Verwandten oder Bekannten aus der Stadt gefüllt war.

Am 28. August desselben Jahres wurden fast alle Männer zum Westwall einberufen. In den folgenden Monaten näherten sich die Gegner der deutschen Grenze, und immer zahlreicher überflogen die feindlichen Kampfverbände und Bombergeschwader unsere Heimat. Viele Bürger unserer Gemeinde suchten in den letzten Kriegsmonaten in ihren Behelfsschutzräumen oder in alten Grubenstollen, die wieder aufgegraben wurden, Schutz vor Bombenangriffen. Am 19. März 1945 fielen 3 Bomben in Steckenstein und zerstörten das Anwesen von Hermann Rödder. Zwei Kinder und ein Soldat wurden verschüttet, konnten jedoch gerettet werden. Die deutschen Truppen, die in den hiesigen Wäldern und Bergen Stellung bezogen hatten, mussten Ende März unsere Heimat verlassen. Am 28. März rückten amerikanische Truppen in unserer Gemeinde ein. Mit der völligen Kapitulation der deutschen Wehrmacht am 8. Mai fand der 2. Weltkrieg sein Ende.

Nach und nach kehrten Kriegsgefangene aus verschiedenen Ländern wieder in ihre Heimat zurück. Unvergesslich bleibt für die älteren Bürger der Gemeinde die Heimkehr des früheren Oberst Aloys Brendebach, aus Niederdurwittgen gebürtig, der im Jahre 1955 nach 10-jähriger Gefangenschaft wieder in seiner Heimat eintraf. Eine weit über 1.000-köpfige Menschenmenge bereitete dem Heimkehrer in Wissen einen großen Empfang. Zwangsläufig musste die Gemeinde Mittelhof durch Kriegs-, -und Nachkriegsfolgen noch einmal eine Wandlung und Strukturveränderung durch­machen. Durch die zurück-gebliebenen Evakuierten ausgebomter Städte und durch die notwendig gewordene Aufnahme von Heimatvertriebenen, Flüchtlingen und sonstigen Einwanderern hatte sich der Charakter der Ortsbevölkerung gewandelt.

Die veränderte Lage nach dem Kriege stellte jedoch die Gemeinde Mittelhof vor schwere Aufgaben. Die glückliche Mischung von Bergbau und Landwirtschaft, gepaart mit einer fleißigen und arbeitssamen Bevölkerung, gaben der Gemeinde die Grundlagen für den späteren wirtschaftlichen Aufschwung. Ein umfangreiches Straßen- und Wegenetz von ca. 30 km verbindet alle Ortsteile der Gemeinde miteinander und ermöglichte ab 1963 eine Busverbindung von Eisengarten über Mittelhof nach Wissen. Ein langersehnter Wunsch der Bevölkerung ging im Jahre 1975 in Erfüllung. Die neue Verbindungsstraße zwischen Eisengarten an der B 62 im Siegtal und dem ausgebauten Teilstück zwischen Steckenstein und Mittelhof konnte fertiggestellt werden.

 

Lebenshilfe für geistig Behinderte e. V.

Im Frühjahr 1962 gründeten mehrere Eltern geistig behinderter Kinder im Raum Wissen eine Ortsvereinigung der Lebenshilfe e. V., die es stets als ihre Aufgabe ansah, Maßnahmen und Einrichtungen zu fördern, die eine wirksame Lebenshilfe für geistig Behinderte aller Altersstufen bedeutet. Seit 1971 hat der Verein im ehemaligen Freizeitheim Grube „Friedrich“ in der Gemeinde Mittelhof ein Domizil, und die Zahl der betreuten Behinderten konnte in der Folgezeit vergrößert werden. Im Herbst 1973 wurde die ehemalige Maschinenhalle der Grube „Friedrich“, die früher als Turnhalle gedient hatte, zu einer provisorischen Werkstatt für Behinderte ausgebaut. Sie wurde 1975 in Dienst gestellt und bot Raum und Arbeitsmöglichkeiten für ca. 50 Behinderte. Als die Zahl der Behinderten weiter wuchs, wurde im Jahre 1977 der Plan gefasst, die Werkstatt für Behinderte auf dem Gelände der Gemeinde Mittelhof zu erweitern. Im Jahre 1979 wurde mit diesem Bauvorhaben begonnen, und im Jahre 1982 waren alle Erweiterungs-, Um- und Neubauten fertiggestellt. Etwa 170 Arbeitsplätze stehen den Behinderten heute zur Verfügung. Das Ziel der Werkstatt lautet: Integration von geistig Behinderten in den Arbeitsprozess, da dies auf dem freien Arbeitsmarkt nicht möglich ist. Anlässlich des 25-jährigen Bestehens der Lebenshilfe konnte ein neues Wohnhaus im Jahre 1987 seiner Bestimmung übergeben werden. 29 Behinderte fanden nun hier eine neue Heimat.

 

Der Fremdenverkehr nimmt zu

Ende der 60er Jahre bahnte sich eine strukturelle Umschichtung unserer Landschaft an. Durch die Errichtung des Campingplatzes „Im Eichenwald“ im Jahre 1969 und des Wild- und Wanderparks durch die Fürstlich-Hatzfeldt'sche Verwaltung änderte sich die wirtschaftliche Struktur, und der Fremdenverkehr hielt seinen Einzug. Gute Gaststätten sowie Privatpensionen trugen wesentlich zur Förderung des Fremdenverkehrs bei. Im Jahre 1973 wurde die Gemeinde Mittelhof durch das Ministerium für Wirtschaft und Verkehr als Fremden-verkehrsgemeinde anerkannt. In demselben Jahr konnte der Campingplatz „Im Eichenwald“ gegen eine Konkurrenz von weiteren 26 Campingplätzen zusammen mit dem Platz Sonneck bei Boppard erster Landessieger in einem vom Mainzer Landwirtschaftsministerium protektierten Wettbewerb „Vorbildlicher Campingplatz in der Landschaft“ werden. Eine weitere Bereicherung für den Fremdenverkehr stellt der Mobilheimpark im Distrikt „Teufelsbruch“ dar, der nach 7-jähriger Bauzeit im Jahre 1982 eingeweiht wurde.

 

Da der Mobilheimplatz mit seinen 172 Stellplätzen, von denen über 142 belegt sind, inmitten eines großen Waldgebietes liegt, bietet er dem Erholungssuchenden das ganze Jahr über Ruhe und Entspannung. Besonders sehenswert sind die im neugotischen Stil erbaute Kirche „St. Marien“ (1895 - 1997), das älteste Jugendheim des Kreises Altenkirchen (1929 - 1931) und das unter Denkmalschutz stehende Fachwerkhaus „Quadenhof“ aus dem 15. Jahrhundert, das im Jahre 1987 restauriert wurde.

 

Ein ausgedehntes Wanderwegenetz mit gepflegten Wanderwegen führt durch Laub- und Nadelwälder zu herrlichen Aussichtspunkten wie „Steckensteiner Kopf" (245 m) und „Stuhl“ (332 m). Seit 1982 nimmt der Ortsteil „Mittelhof“ und seit 1987 der Ortsteil „Steckenstein" an dem Bundeswettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden" teil. Sinn und Zweck der Teilnahme besteht darin, die notwendige gesellschaftspolitische und strukturelle Neuorientierung des ländlichen Raumes auf breiter Ebene zu unterstützen und zu intensivieren. Somit sollen die Gemeinden und Gemeindeteile angeregt werden, ihren unmittelbaren Lebensraum und das Zusammenleben ihrer Bevölkerung auf der Grundlage bürgerschaftlicher Aktivitäten und Selbsthilfeleistungen bewusst zu gestalten und zu pflegen. Dank der vielseitigen Aktivitäten der Bürger konnte der Ortsteil Mittelhof beachtliche Erfolge auf Kreis-, Bezirks- und Landesebene erzielen, darunter in den Jahren 1985 und 1987 den 1. Platz auf Kreisebene in der Sonderklasse und im Jahre 1994 in der Hauptklasse. Im Jahre 1986 wurde die Gemeinde Mittelhof als Dorferneuerungsgemeinde von der Bezirksregierung anerkannt. Die Gemeinde sieht in der Dorferneuerung und -entwicklung eine wesentliche Chance zur Erhaltung der Wohn- und Lebensqualität des ländlichen Raumes, die zur Belebung des Fremdenverkehres beiträgt.

Jeden Fremden, ob er von Altenbrendebach, Schönstein oder Hövels kommt, lädt die Gemeinde Mittelhof ein, einige Stunden in der herrlichen, waldreichen Landschaft zu verweilen.